Vor 200 Jahren ...
1814 bereiste Georg Friedrich Most die Gegend am Steinhuder Meer. Most (*1794 - ?) fälschlich auch als Reiseschriftsteller bezeichnet, lehrte als Universitätsprofessor in Rostock. Seine "Ausführliche Encclopädie der gesammten Staatsarzneikunde" gilt als Standardwerk. Allerdings setzt sich Most wegen seines Interesses für die "Volksmedizin", wozu für ihn auch magische Verfahren gehörten, der Kritik seiner Zeitgenossen aus. Seine Reise ans Steinhuder Meer dürfte der Beobachtung von Land und Leuten gegolten haben. Die Schilderung verbirgt ihre naturwissenschaftliche Perspektive kaum:
DER KLEINE LANDSEE: KEIN ZUFLUSS, ABER AUSFLUSS
"Dieser kleine Landsee, welcher seinen Namen von dem nahe an demselben belegenen Flecken Steinhude hat, ist ohngefähr eine Meile lang und eine halbe Meile breit. Er gränzt gegen Morgen an das Dorf Großenheidorn, und das genannte Flecken Steinhude, gegen Mittag an das Hagenburger und Altenhäger Moor, Hagenburg und Altenhagen, gegen Abend an das Winzlarsche Moorbruch, an das Dorf Winzlar und das Städtchen Rehburg, und gegen Mitternacht an Mardorf und das Neustädter Torfmoor. Daher macht er gegen Westen, Norden und Nordost die Gränze des Hannoverschen, gegen Osten und Süden aber, die Gränze des Bückeburgischen Territoriums. Er ist ein stillstehendes Wasser, welches keinen Zufluß, wohl aber einen Ausfluss hat, indem an der westlichen Seite desselben ein Bach (der sogenannte Meerbach, oder die Meerbeeke genannt) aus ihm entspringt, der durch das schon genannte Städtchen Rehburg, wo es ehemals eine zweigängige Wassermühle trieb, fließt und sich in die Weser ergießt."
VON ALTERS HER TANNEN- UND FICHTENWALD?
"Man sagt, daß dieser See von Alters ein Tannen- oder Fichtenwald gewesen, und seine Metamorphose und jetzige Gestalt von dem bekannten Durchbruche der Weser, welcher wahrscheinlich auch zu mancher anderen Veränderung Veranlassung gegeben hat, entstanden sey. Obgleich dieses zwar auf Muthmaßungen beruht, und man, (so viel ich weiß) in alten Chroniken und alten Schriften hiervon keine ausführliche Beschreibung findet, so ist doch die Vermutung sehr wahrscheinlich, da noch jetzt viele Überbleibsel, Zweige, Äste sogar of ganze Stämme Fichten- und Tannenholzes, als Beweise hierzu, im Meere gefunden und angetroffen werden. Dieses Holz ist, wie sich leicht denken lässt, von mürber Beschaffenheit, brennt indeß, wenn es vorher getrocknet worden ist, noch sehr gut."
MEHR ODER WENIGER SANDIGER BODEN:
"Der Grund und Boden ist theils sandigt, mit Grieß und Steinen bedeckt, theils morastig. Der südliche, südöstliche und südwestliche Theil desselben ist mehrentheils morastig, da hingegen der andere Theil mehr oder weniger festen und sandigen Boden hat. Seine Tiefe ist verschieden, da er an einigen Stellen tiefer als andern ist, beträgt indeß der Durchschnitt nicht über 10 bis 20 Fuß. Am tiefsten ist er in seiner Mitte, und besonders ohnweit der in derselben belegenen Festung Wilhelmstein, nördlicher Seite, welcher Ort daher auch die Tiefe genannt wird."
DER FISCHFANG: AALE, BARSE, HECHTE UND KARPFEN
"Verschiedene Sorten Fische sind in demselben zu finde; die besten und wohlschmeckendsten sind die Aale, die sich vorzüglich in dem morastigen Theil des Sees aufhalten, und am Besten in den aus Weidenkörben geflochtenen Aalkörbchen gefangen werden, ferner die Baarse, Hechte und Karpfen. Diese sind den Steinhuder Fischern, (denn in Steinhude sind die meisten Fischer von Profession) die mit denen in Hannover, Hildesheim, Bückeburg und anderen Städten hiesiger Gegend Handel treiben, ein guter Nahrungszweig. Ein jeder Fischer hat einen kleinen, schmalen, länglichen Kahn, den er allein mit seiner Stange gut fortzutreiben und zu regieren versteht, bei gutem Wind zwei Segel aufspannt, und mit den Aalkörben, Stellnetzen und Angeln allein und ohne den Gehülfen im Stande ist, seinen Fischfang zu verrichten. Wollen die Fischer aber mit Zugnetzen fischen, so fahren mehrere zugleich aufs Wasser. Ist der See zugefroren und mit Eis bedeckt, so fangen sie unter dem Eise die Fische mit einem sehr großen Zugnetze. Diese Fischerei ist ein beträchtlicher Gewinn für die Fischer, da 10 bis 14 Personen, welche hierzu erfordert werden, in einem Tag zwei, drei Züge Thun, wo sie zuweilen in einem einzigen Zuge mehrere hundert Fische fangen können.
Auch das Fischen mit vielen Angeln zugleich, welches des Sommers hier nicht weniger von den Fischen exercirt wird, ist sehr erträglich. Sie verrichten des auf folgende Weise: sie nehmen ein Seil von größere und kleinerer Länge, je nachdem sie mehr oder weniger Angeln daran befestigen wollen; befestigen dieses Seil an zwei feste Gegenstände im See, und binden die an drei Ellen lange Bindfäden geknüpfte Angeln an dieses Seil, versehen die Angeln mmit der gewöhnlichen Lockspeise, und lassen sie 24 Stunden so im Meere hängen. Am anderen Tage sehen sie wieder darnach, und kehren selten leer an Fischen nach Hause."
EISGEKÜHLT: DAS MEER IM WINTER
"Der Reeß oder das Bersten des Eises, eine Erscheinung, die bekanntlich mehreren stillstehenden Gewässern eigen, und von den Schwefel- und salpeterartigen Dünsten derselben herzuleiten ist, zeigt sich auch hier des Winters nicht wenig, und macht ein solches Getöse, dass man in der Ferne glauben sollte, es wurde mit Musketen geschossen und heftig getrommelt. Diese Eisborsten entstehen gewöhnlich in einem Momente, erstrecken sich mehrentheils durchs ganze Meer und sind nicht selten mehrere Fuß breit. Ja im vergangenen Winter bemerkte ich sogar solch einen Riß, der an vielen Orten selbst das diesseitige Ufer mehrere Fuß hoch in die Höhe getrieben hatte, und schön anzusehen war.
Auch der Eisgang tritt jährlich bei der Annäherung des Frühlings hier ein, und gewährt dem Zuschauer einen schönen Anblick. Gewöhnlich pflegt er sich dann bei feuchtem Südwestwinde einzustellen, wo sich dann entweder die ganze Eismasse auf einmal, oder in mehrere Schollen geteilt, bewegt, durch den Wind auf das nordöstliche Ufer nach dem sogenannten schwarzen Berge hingetrieben wird, und da allmählich schmilzt. Oft wird auf diese Weise das Eis fortgetrieben, ohne bemerkt zu werden, da man sich dann am Morgen des anderen Tages nicht wenig verwundert, wenn man auf einmal das Meer ganz verändert, mit seinen silberfarbigen Wellen und im neuen Gewande erblickte."
DER KLEINE LANDSEE: KEIN ZUFLUSS, ABER AUSFLUSS
"Dieser kleine Landsee, welcher seinen Namen von dem nahe an demselben belegenen Flecken Steinhude hat, ist ohngefähr eine Meile lang und eine halbe Meile breit. Er gränzt gegen Morgen an das Dorf Großenheidorn, und das genannte Flecken Steinhude, gegen Mittag an das Hagenburger und Altenhäger Moor, Hagenburg und Altenhagen, gegen Abend an das Winzlarsche Moorbruch, an das Dorf Winzlar und das Städtchen Rehburg, und gegen Mitternacht an Mardorf und das Neustädter Torfmoor. Daher macht er gegen Westen, Norden und Nordost die Gränze des Hannoverschen, gegen Osten und Süden aber, die Gränze des Bückeburgischen Territoriums. Er ist ein stillstehendes Wasser, welches keinen Zufluß, wohl aber einen Ausfluss hat, indem an der westlichen Seite desselben ein Bach (der sogenannte Meerbach, oder die Meerbeeke genannt) aus ihm entspringt, der durch das schon genannte Städtchen Rehburg, wo es ehemals eine zweigängige Wassermühle trieb, fließt und sich in die Weser ergießt."
VON ALTERS HER TANNEN- UND FICHTENWALD?
"Man sagt, daß dieser See von Alters ein Tannen- oder Fichtenwald gewesen, und seine Metamorphose und jetzige Gestalt von dem bekannten Durchbruche der Weser, welcher wahrscheinlich auch zu mancher anderen Veränderung Veranlassung gegeben hat, entstanden sey. Obgleich dieses zwar auf Muthmaßungen beruht, und man, (so viel ich weiß) in alten Chroniken und alten Schriften hiervon keine ausführliche Beschreibung findet, so ist doch die Vermutung sehr wahrscheinlich, da noch jetzt viele Überbleibsel, Zweige, Äste sogar of ganze Stämme Fichten- und Tannenholzes, als Beweise hierzu, im Meere gefunden und angetroffen werden. Dieses Holz ist, wie sich leicht denken lässt, von mürber Beschaffenheit, brennt indeß, wenn es vorher getrocknet worden ist, noch sehr gut."
MEHR ODER WENIGER SANDIGER BODEN:
"Der Grund und Boden ist theils sandigt, mit Grieß und Steinen bedeckt, theils morastig. Der südliche, südöstliche und südwestliche Theil desselben ist mehrentheils morastig, da hingegen der andere Theil mehr oder weniger festen und sandigen Boden hat. Seine Tiefe ist verschieden, da er an einigen Stellen tiefer als andern ist, beträgt indeß der Durchschnitt nicht über 10 bis 20 Fuß. Am tiefsten ist er in seiner Mitte, und besonders ohnweit der in derselben belegenen Festung Wilhelmstein, nördlicher Seite, welcher Ort daher auch die Tiefe genannt wird."
DER FISCHFANG: AALE, BARSE, HECHTE UND KARPFEN
"Verschiedene Sorten Fische sind in demselben zu finde; die besten und wohlschmeckendsten sind die Aale, die sich vorzüglich in dem morastigen Theil des Sees aufhalten, und am Besten in den aus Weidenkörben geflochtenen Aalkörbchen gefangen werden, ferner die Baarse, Hechte und Karpfen. Diese sind den Steinhuder Fischern, (denn in Steinhude sind die meisten Fischer von Profession) die mit denen in Hannover, Hildesheim, Bückeburg und anderen Städten hiesiger Gegend Handel treiben, ein guter Nahrungszweig. Ein jeder Fischer hat einen kleinen, schmalen, länglichen Kahn, den er allein mit seiner Stange gut fortzutreiben und zu regieren versteht, bei gutem Wind zwei Segel aufspannt, und mit den Aalkörben, Stellnetzen und Angeln allein und ohne den Gehülfen im Stande ist, seinen Fischfang zu verrichten. Wollen die Fischer aber mit Zugnetzen fischen, so fahren mehrere zugleich aufs Wasser. Ist der See zugefroren und mit Eis bedeckt, so fangen sie unter dem Eise die Fische mit einem sehr großen Zugnetze. Diese Fischerei ist ein beträchtlicher Gewinn für die Fischer, da 10 bis 14 Personen, welche hierzu erfordert werden, in einem Tag zwei, drei Züge Thun, wo sie zuweilen in einem einzigen Zuge mehrere hundert Fische fangen können.
Auch das Fischen mit vielen Angeln zugleich, welches des Sommers hier nicht weniger von den Fischen exercirt wird, ist sehr erträglich. Sie verrichten des auf folgende Weise: sie nehmen ein Seil von größere und kleinerer Länge, je nachdem sie mehr oder weniger Angeln daran befestigen wollen; befestigen dieses Seil an zwei feste Gegenstände im See, und binden die an drei Ellen lange Bindfäden geknüpfte Angeln an dieses Seil, versehen die Angeln mmit der gewöhnlichen Lockspeise, und lassen sie 24 Stunden so im Meere hängen. Am anderen Tage sehen sie wieder darnach, und kehren selten leer an Fischen nach Hause."
EISGEKÜHLT: DAS MEER IM WINTER
"Der Reeß oder das Bersten des Eises, eine Erscheinung, die bekanntlich mehreren stillstehenden Gewässern eigen, und von den Schwefel- und salpeterartigen Dünsten derselben herzuleiten ist, zeigt sich auch hier des Winters nicht wenig, und macht ein solches Getöse, dass man in der Ferne glauben sollte, es wurde mit Musketen geschossen und heftig getrommelt. Diese Eisborsten entstehen gewöhnlich in einem Momente, erstrecken sich mehrentheils durchs ganze Meer und sind nicht selten mehrere Fuß breit. Ja im vergangenen Winter bemerkte ich sogar solch einen Riß, der an vielen Orten selbst das diesseitige Ufer mehrere Fuß hoch in die Höhe getrieben hatte, und schön anzusehen war.
Auch der Eisgang tritt jährlich bei der Annäherung des Frühlings hier ein, und gewährt dem Zuschauer einen schönen Anblick. Gewöhnlich pflegt er sich dann bei feuchtem Südwestwinde einzustellen, wo sich dann entweder die ganze Eismasse auf einmal, oder in mehrere Schollen geteilt, bewegt, durch den Wind auf das nordöstliche Ufer nach dem sogenannten schwarzen Berge hingetrieben wird, und da allmählich schmilzt. Oft wird auf diese Weise das Eis fortgetrieben, ohne bemerkt zu werden, da man sich dann am Morgen des anderen Tages nicht wenig verwundert, wenn man auf einmal das Meer ganz verändert, mit seinen silberfarbigen Wellen und im neuen Gewande erblickte."
denkstube - 23. Jan, 20:32